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Mittwoch, 18. Dezember 2019

Balkan TET 2018: Mit der CRF bis Albanien

Balkan TET 2018: Mit der CRF bis Albanien

In den Bergen Albaniens

2016 sind wir nach dem internationalen Transalptreffen am Plattensee weiter Richtung Süden bis nach Montenegro gefahren. Ich hatte in einem CRF250 Blog tolle Bilder vom Durmitor und Kotor gesehen und wollte da unbedingt mal hin. Auch unser Rückweg über Bosnien und Herzegowina war unvergesslich. Auch wenn ich auf einigen Passsagen lieber mit meiner damals neuen CRF als mit der schweren Transalp unterwegs gewesen wäre. (Reisebericht Balkan 2016)
Mit der Transalp auf dem TET nahe Mostar

Nach dem Umbau der CRF250L zur Reiseenduro hatte sie dann 2017 im Baltikum ihre Reisequalitäten bewiesen (Reisebericht Baltikum 2017). Nun sollte es wieder über den Balkan gehen. Bis Albanien und Zurück über den Trans Euro Trail, der einen dort in beeindruckende und abgelegene Regionen führt. Oft weit Abseits des Tourismus.
Von Nevesinje nach Mostar

Nach ziemlich genau 3000 Zweiradkilometern, davon weit über die Hälfte auf nicht asphaltierten Straßen in 13 anstrengenden und tollen Fahrtagen kann ich sicher sagen:

Fahrt da hin, solange es noch so ursprünglich ist. 

Beeindruckende Landschaften, freundliche hilfsbereite Menschen und Wege, die einem Endurowandern wie im Paradies erscheinen lassen.
Durmitor Nationalpark

Hier geht es zu den einzelnen Reiseberichten:

Tag 0: Die erste Panne
Tag 1: Anreise Sauerland -> Zabok
Tag 2: Ein unerwarteter Reisegefährte Zabok -> Šišava
Tag 3: CRF goes Olympiabobbahn in Sarajevo, Šišava -> Bastasi
Tag 4: Weiterer Mitfahrer, Schnee in Montenegro Bastasi -> Kolasin
Tag 5: Nationalpark Biogradska Gora, Neue Seidenstraße auf dem TET
Tag 6: Kurvenzauber in Albanien,Schneechaos auf dem Weg nach Theth, Kolasin -> Boga
Tag 7: 100km Kurven, bis zur Grenze zum Kosovo Boga -> Aste
Tag 8: Valbona Valley National Park , mit der Fähre durchs Hochgebirge Aste -> Bar
Tag 9: Tour ohne Gepäck, Lovcen und Kotor
Tag 10: Abschied, auf dem Weg ins bosnische Hinterland: Bar->Nevesinje
Tag 11: Im bosnischen Monument Valley: Nevesinje => Blidinje Nature Park
Tag 12: TET Abenteuer, Straßensperren und ein feuchtes Ende Blidinje-Sipovo
Tag 13: Pliva Springs, Reperatur mit Müll vom Straßenrand, Sipovo => Gornji Rakani
Tag 14: Keine Münzen für den Fährmann, zurück zum Anhänger, Gornji Rakani => Zabok


Tipps:

Generell:
  • Da wir regelmäßig das Land gewechselt haben, habe ich kein Geld umgetauscht. Ich hatte viele kleine €-Scheine dabei, es hätten aber noch mehr sein müssen. 
  • Zahlen mit Mastercard war meist kein Problem, nur in Albanien waren an den Tankstellen angeblich immer die Terminals defekt.
  • Der TransEuroTrail (TET) führt nur selten über Hauptstraßen, daher sollte man früh nachtanken wenn sich die Gelegenheit bietet
  •  Essen: Wenn man kein Vegetarier ist, ist der Balkan ein Traum. Würzige und gegrillte Speisen gibt es überall für kleines Geld. Auch gegrilltes Gemüse ist der Hammer.

Kroatien:
  • Zahlen mit Euro zu schlechtem Kurs möglich
  • Kartenzahlung meist möglich
  • An den Hauptstraßen dichtes Tankstellennetz

Hier haben wir Auto und  Anhänger stehen gelassen.
Das Hotel Hotel Castle Gjalski liegt kurz vor Zagreb nah an der Autobahn und bietet einen geschützten Parkplatz im Innenhof. Essen und Personal sind super nett und wir durften dort kostenlos 2 Wochen parken wenn wir die erste und letzte Nacht der Reise dort verbringen.

Bosnien & Herzegowina:
  • Zahlen mit Euro gut möglich (BiH hat die Mark zum bekannten Wechselkurs von 1,95...)
  • Bis auf wenige Ausnahmen touristisch kaum erschlossen. Auf der Strecke Banja Luca => Sarajevo gab es z.B. auf über 100km keine Unterkunft, die wir über das Internet finden konnten.
  • Die Leute waren überall sehr freundlich, es ist aber erschreckend, wie tief noch immer der Hass auf andere Bevölkerungsgruppen ist. 
  • Regelmäßig sieht man zerschossene Häuser und entlang der innländischen Grenze zur Republik Srpska waren zusätzlich Häuser mit Parolen besprüht
  • Minenwarnschilder sind ernst zu nehmen. Wege und Trampelpfade sind Ok, auch gemähte Wiesen.
  • Querfeldein durch Wälder und hohes Gras würde ich meiden
Übernachtungsempfehlung:
Nah am TET sind wir bei Familie Djukic abgestiegen. Einfach aber freundlich und gemütlich. (Tag12) Nach der Regenfahrt gab es erst mal was zum Aufwärmen (Bild)



Montenegro
War für mich schon 2016 eine Offenbarung. Eins der schönsten Motorradländer in Europa. Atemberaubende Berge, Meer, Urwälder und selbst in Nationalparks legales Offroadvergnügen. Und natürlich der einzige Fjord im Mittelmeer!

  • Montenegro hat den Euro als Währung
  • Kreditkarte wird fast überall angenommen
  • Küste ist dicht besiedelt, im Hinterland einsame Bergstrecken
  • Keine Minen
Übernachtungsempfehlung:
Apartmani Ljubinka Bakic Kolasin
Herzliche ältere Dame, die sich toll um ihre Gäste kümmert (Tag5&6)





Albanien
Wir haben nur einen kleinen Teil bereist, aber die Landschaft war der Hammer besonders Theth und das Valbona-Tal. Die Fahrt mit der Fähre über den Koman-See ist auf jeden Fall ein Highlight.
  • Zahlen mit Euro gut möglich
  • Kartenzahlung an der Tankstelle war nirgendwo möglich obwohl ausgeschildert (angeblich kein Internet, der Tankwart wollte lieber beim Wechselkurs bescheißen)
  • Freundliche und hilfbereite Menschen, an Hauptstraßen und Touristenorten wird versucht zu betrügen
Übernachtungsempfehlung:
Das Aste Guesthouse war ein tolle Überraschung. Freundliche muslimische Gastgeber nahe dem Valbona-Tal und der Grenze zum Kosovo. Nagelneue Betten (die Besten der ganzen Reise) und saubere moderne Zimmer. Der Vermieter ist auch Bergführer, eine Preisliste liegt aus, kein Nachverhandeln.(Tag7)


Ausblick:
Während ich die letzten Zeilen schreibe plane ich schon für nächstes Jahr. Das ITT findet dann in Griechenland statt.

Die Gelegenheit alles verpasste Nachzuholen und manches zu wiederholen.

Außerdem wird die Liste der bereisten Länder erweitert. Serbien, Kosovo, Mazedonien sind für die Anreise gesetzt. Auf dem Rückweg will ich ab Albanien über den TET bis nach Bosnien. Hoffentlich hält mich der Schnee dann nicht so oft auf wenn ich 3 Wochen später unterwegs bin.


Samstag, 2. März 2019

Abgefahren: Anakee Wild 120/80-18

Abgefahren: Anakee Wild 120/80-18

Februar 2019

Reifen zieht blank...
Etwas über 6600km hat der Hinterreifen gehalten, aber langsam wird es Zeit. Die Verschleißmarke ist fast erreicht. Im Vergleich zum gleich großen Heidenau K60 hat er mehr als 1500km länger gehalten

Keine Ahnung, ob es an dem schmalen Reifen liegt, aber selbst so ungleichmäßig abgefahren hatte ich kein unangenehmes Aufstellmoment. Auf der Straße hat der Reifen bis zuletzt eine gute Figur gemacht.

Balkantour,heißer Sommer und Endurotraining. Leicht hat der Reifen es nicht gehabt. Aber noch nie war ich so zufrieden mit dem Gesamteindruck bei einem Reifen auf der CRF.

 Die Optik hat sich in den 10 Monaten etwas verändert.
April 2018
Die Bewertungen auf den einzelnen Untergründen habe ich auf meiner Reifenseite aktualisiert.

Würde ich den Reifen wieder kaufen? Ja, habe ich.
Der Neue ist da...

Sonntag, 10. Februar 2019

Winterpendeln

Winterpendeln

Nachdem mir am Auto der Ladeluftkühler geplatzt ist, muss ich aktuell mit dem Mopped zur Arbeit. Mal wieder bei einem Wetter, bei dem ich eigentlich nicht mehr mit dem Zweirad fahren wollte.

Morgens im Dunkeln bei Nieselregen und 2°C durchgeschüttelt von Sturmböhen, die einen die ganze Straßenbreite nutzen lassen. Dafür war ich bergab aus Angst vor Glatteis aber so langsam, dass ich für die Wildschweinrotte nicht mal bremsen musste.

Aber Abends ist es ja schon wieder länger hell und wenn sich die Sonne kurz durch die Wolken zeigt, macht alles wieder Spaß.

Also kurz in einen Feldweg mit Aussicht eingebogen, um Mopped und Licht auf den Speicher zu bannen.
2mm Profil sind zu wenig
Durch den Regen ist der Schnee aber extrem schwer und pappig. Der Vorderreifen greift zwar ganz OK, trotzdem habe ich Probleme zu wenden ohne abzusteigen.

Der Anakee Wild ist nach inzwischen 6500km hinten auch nicht mehr ideal. Selbst beim Umrunden der Maschine leg ich mich fast in den Schnee, da auch die Moppedstiefel rutschen.

Abseits derSpurrillen geht bei 30cm nassem Altschnee gar nix.
Das war am vorletzten Wochenende bei satten Minusgraden und Pulverschnee besser.


Mehr zum Winterfahren habe ich HIER zusammengeschrieben.

Naja, morgen soll es noch mal schneien und dann wärmer werden. Und der neue Ladeluftkühler für die Dose ist auch schon da...

Ach, und die ersten selbgefahrenen 20tkm auf der CRF sind jetzt auch um. Da schreibe ich die Tage auch noch was zu.


Dienstag, 22. Januar 2019

Balkan TET 2018: Tag 14 Gornji Rakani => Zabok

Balkan TET 2018: Tag 14 Gornji Rakani => Zabok



Letzter Fahrtag mit den Moppeds.

Nach dem Frühstück packen wir die Moppeds und wollen zahlen. Beim Zimmer kein Problem, aber das Abendessen müssen wir bar zahlen. Dabei gehen unsere letzten Euromünzen drauf.

Ein letztes Mal das Gepäck festschnallen, dann starten die Motoren. Auch wenn Kroatien am anderen Flussufer liegt, müssen wir erst ein paar Kilometer bis zu nächsten Grenzübergang in Novi Grad fahren.

Bei der Ausreise dann die erste Iritation. Der Bosnische Grenzer liest beim HU Datum falsche Jahr und will mich nicht passieren lassen. Dabei muss ich mit CRF erst wieder 2020 zum TÜV. Erst nachdem er sich aus seinem Häuschen bewegt und die Plakette geprüft hat, darf ich ausreisen.

Wir nähern uns Zagreb von Südosten. Dadurch fahren wir auf Nebenstraßen durch eine nette Hügellandschaft und nicht über die Hauptstraßen, wie auf dem Hinweg.

Nachdem wir uns über eine halb verwitterte Straße einen Hügel erklommen haben, stehen wir vor dem ersten "Durchfahrt verboten Schild" unserer Reise. Alle Alternativen würden einen Umweg von mehr als 60km bedeuten, also testen wir erstmal die Lage.

Wir folgen der der Straße in Tal. Ab und zu stehen Baumaschinen im Wald neben der Straße oder der nahe Bach hat Steine auf die Straße gespült. Auch wenn es manchmal aussieht als wäre die nächste Brücke gesperrt, kommen wir überall durch.
Später führt uns der Track über einen staubigen Schotterweg entlang des Flusses Kupa. Ein Picknick am Ufer scheidet aus, die Minenwarnschilder sind überall.
Westlich von Zagreb führt uns der Track der kurviger-App wieder in die Berge über schmale, steile Wege fahren wir zwischen alten Bauernhöfen oder schicken Villen hindurch. Dabei gibt es immer wieder nette Ausblicke.
Noch 20km Luftlinie bis zum Ziel. Leider ist die geplante Brücke ein Fähre. Bargeld haben wir nicht mehr. Also fahren wir zur einzigen Brücke in der Gegend. Dafür muss man entlang einer Bahnlinie fast bis ins Zentrum von Zagreb, über die Gleise und dann alles wieder zurück. Alles im dichten 3spurigen Stadtverkehr. Ahhhhhhhhhh!

Obwohl die Strecke weitgehend reizvoll ist, sind wir im "Nach-Hause-Modus", daher gibt es auch kaum Fotos.

Endlich sind wir am Hotel.

Auto und Anhänger sind noch da. Irgendwo unter dem Staub.

2933km Balkan liegen hinter uns. Auch wenn man vor lauter Staub den Kilometerstand kaum lesen kann. Was für eine Tour.
Ich nehme das Gepäck vom Mopped und habe das Gefühl, die CRF streckt sich, Befreit von der Last.

Der Reifen hat sich super gemacht. Schnee, Geröll, Schotter und maximale Schräglage auf Asphalt, alles perfekt gemeistert.


Ich fahre noch schnell mit dem Wagen zur Tankstelle an der Autobahn und dann wird es Zeit die Moppeds zu verladen, morgen warten 1100km Autobahn auf uns.


Das Provisorium hat gehalten



Da wir jetzt quasi Stammgäste sind, bekommen wir eine Suite zum Doppelzimmerpreis.

Also geht es aufs Zimmer, duschen und in bequeme Kleidung schlüpfen. Danach geht es auf die Terrasse, noch mal den tollen Grillteller bestellen und bei einer Flasche Bier die Reise in Gedanken noch mal durchgehen.















Tag 13:



Mittwoch, 19. Dezember 2018

Balkan TET 2018: Tag 11 Nevesinje Blidinje Nature Park

Balkan TET 2018: Tag 11 Nevesinje Blidinje Nature Park


Wenn man so früh schlafen geht, wird man auch früh wach. Wir packen unsere Sachen und beladen die Motorräder. Auch unser Vermieter wird wach und bittet uns in einen großen Raum im Erdgeschoss. Wieder Erwarten gibt es für 7€ pro Nase auch noch ein Frühstück. Den üblichen Ziegen/Schafskäse, Brot, Tee (ich hasse Tee) und Unmengen an Rührei mit Schinken. Auf meine Bitte wird mir auch noch ein sehr starker Kaffe gebraut.

Wir bezahlen und wollen aufbrechen. Wir haben unserem Gastgeber unsere grobe Route erklärt. Er zeigt uns noch den Weg Richtung Mostar, wir winken und fahren in die entgegengesetzte Richtung los. Wir wollen über den TET fahren, der in dieser Gegend laut Jonathan besonders toll sein soll.

Kaum sind wir auf den TET eingebogen, sehe ich was Jonathan meint. Man fährt durch eine felsige Ebene entlang des Bergrückens, über den es dann später nach Mostar gehen soll. Die Morgensonne taucht das alles jetzt um 8h30 in ein tolles Licht.

Endlich denke ich daran, mal den Tachostand zu fotografieren. Knapp über 2100km seit wir in Zagreb gestartet sind.

In der Ebene werden gerade viele neue Straßen geteert, ein Geschenk aus Schweden, wenn ich die Schilder richtig deute. Außerdem sind alle paar Kilometer große Friedhöfe am Straßenrand.

Der Track ist toll. Manchmal biegen wir in Wege ein, die wir nie genommen hätten und...

... 20 Minuten später bleibt mir der Mund offen stehen, was für eine Aussicht!


Motive zum Niederknien.


Nachdem aus jeder Perspektive ein Foto geschossen wurde geht es langsam bergauf in die Berge. Erst über breite Schottterautobahnen mit ausgewaschenen Steilstücken. Irgendwann sind die Abzweige so schmal, das wir erst vorbeirauschen. Wir biegen in einen kleinen Weg ein, der mit großen losen Steinen und vielen Ästen bedeckt ist. Trial im ersten und zweiten Gang als ich hinter mir ein Hupen höre. Mist, hoffentlich kein Sturz. Also wende ich im Hang und düse zurück. Hanjo hat sich in den Zweigen verheddert und sein angeschlagenes Knie mag den anstrengenden Weg nicht.


Schwierige Entscheidung. Bis Mostar alleine weiterfahren und dort wieder treffen ist mir zu riskant.
Laut Track geht es noch ca. 800 Höhenmeter weiter bergauf, oben liegt noch etwas Schnee und Handyempfang ist hier auch nicht. Außerdem lässt man sich nicht im Stich!

Also suchen wir eine Umfahrung Richtung Mostar. Zurück auf der Schotterautobahn sieht man im Rückspiegel noch mal, was man verpasst.
Da oben wäre es lang gegangen
Wir umfahren den Berg im Norden durch ein kleines Skigebiet und dann auf der Hauptstraße in tollen Serpentinen in Tal. In Mostar fahren wir dann den TET in die entgegengesetzte Richtung um möglichst viel von dieser tollen Strecke mit zu nehmen. Auch wenn wir dafür heute einige Teile 2 Mal fahren.

Nachdem wir aus der Hitze der Stadt raus sind, machen wir auf dem Hochplateau oberhalb von Mostar erstmal Mittagspause in einem alten Fort.
Von weitem sah die Zufahrt so harmlos aus. Aber die dritte Zufahrt war bequem zu schaffen, von vorne rein war es einfach zu viel Geröll.

Frisch gestärkt geht es weiter den Berg hoch. Nach einer Weile halten wir an und werfen einen Blick zurück zum Fort. Von hier sehen die Zufahrten so harmlos aus...
Aus der Ferne sieht man weder die Steigung noch die großen Steine

Und der Blick nach Vorn auf den Gipfel. Die Strecke soll viel scharfkantigen Schotter enthalten, der einem den Reifen wegfrisst.
Da soll es hoch gehen
Man hat uns nicht zu viel versprochen. Der Weg wird immer steiler. Kehre um Kehre schrauben wir uns nach oben.

Die Kehren sind aus Beton. Teilweise sind die Kanten zwischen Schotter und Beton so hoch, dass das Motorrad aufsetzen könnte. Und der Gipfel kommt kaum näher.

Ein Blick auf die Uhr mahnt zum umkehren, wir müssen das ja alles noch zurück. Außerdem zehrt die Stecke sehr an den Kräften. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte der Tagesetappe hinter uns.

An der Kante des Hochplateaus halten wir noch öfter an, um ein paar Fotos mit Mostar im Hintergrund zu machen.
Über den Dächern von Mostar

Der Gipfel bleibt dieses Jahr unerklommen

Auf der anderen Seite der Stadt geht der TET wieder in die Berge. Aber vorher müssen wir runter in die heiße Großstadt mit ihrem dichten Verkehr.
Abstieg nach Mostar

Mit dem Tele schaue ich auf das Treiben in der Altstadt. Bei unserer Balkan-Tour 2016 haben wir unweit der alten Brücke gewohnt. Morgens um 7h30 hatte ich die Brücke noch für mich allein.
Die wieder aufgebaute "Old Bridge" von Mostar
Aber wir müssen weiter, der TET führt mitten durch die Innenstadt. An einer stark befahrenen Kreuzung müssen wir irgendwie zwischen den Autos einescheren. Als Hanjo vor mir losfährt, entfessle ich die unbändige Kraft der 23 Pferde der CRF. Nur um festzustellen, das er doch wieder bremst. Das erste und einzige Mal, dass der Michelin auf Asphalt vorne blockiert. Da ich noch nicht schnell bin, kann ich die Karre irgendwie abfangen.

Dann liegt die Stadt hinter uns. Schon nach wenigen Kilometern wird die Straße wieder schmaler und leerer.
Und dann sind auf dem Stück vom TET, der mir 2016 mit der Transalp den Schweiß auf die Stirn getrieben hat. Damals wussten wir noch nichts vom TET und hatten einfach eine Route über kleinste Straßen gewählt.




Der Weg wechselt ständig zwischen festgefahrenem Schotter und losem, groben Geröll an den Steigungen. Hatten wir damals noch Sorge, dass der Weg im Nirvana endet freue ich mich heute auf ein entspannte Fahrt durch das Winnetou-Gedächtnis-Tal.
Die Stelle kommt mir bekannt vor. Seit 2 Jahren mein Bildschirmhintergrund...
2016 mit der Transalp
Mit den leichten Moppeds macht die Strecke noch viel mehr Spaß. Die tiefen Spurrillen in den Auffahrten, die die Transalp magisch anzogen, sind mit der CRF nur ein müdes lächeln Wert. Auch Hanjo trauert heute seinem Tiger bestimmt nicht hinterher.

Wir bleiben abwechselnd stehen und machen Fotos und Videos vom anderen.



Während wir fotografieren, kommt eine Africa-Twin aus Frankreich vorbei. Den TET kennt er nicht, er fährt auf einem gekauften Offroad-Track.


Auf einmal bewegen sich Scheinwerfer und Windschild stärker als normal auf der Rumpelpiste. Durch die Dauervibration und die erhöhte Last durch das Windschild ist ein Haltwinkel unter dem Scheinwerfer durchvibriert. Wir fixieren den Scheinwerfer mit Kabelbindern am Federbein und die Fahrt kann weitergehen.

Bald sind wir an der Stelle, an der Jonathan von den Hofhunden angegriffen und in den Wald gejagt worden ist. Wir suchen uns in der Karte eine Umfahrung und lassen den Hof weit rechts liegen.



Kurze Navipause
Kaum sind wir am Hof vorbei, kommen uns zwei TET-Fahrer entgegen. Jeder berichtet kurz, wie die Strecke in die jeweils andere Richtung aussieht und wir warnen vor den freilaufenden Hofhunden.
Danach geht es über eine Sackgasse zum höchsten Punkt des Bosnien TET. Während wir uns langsam höher schrauben, führt der Weg in ein Gebiet, in dem ein Buschbrand gewütet hat.

Langsam geht es höher und die ersten Schneefelder liegen am Hang.
Auf 1950m Höhe ist Schluss. Die letzten 300m bis zum Gipfel werde ich wohl nicht schaffen. Außerdem ist Hanjo nicht mehr zu hören. Da ich aber auch keine Hupe höre wird wohl alles OK sein.
Die Aussicht hier oben ist fantastisch. Und außer dem Wind ist kein Geräusch zu hören.
Die Kamera hat eine eingebaute Wasserwaage, so sieht man mal, wie steil hier die Wege sind...
Steile Kehren im Nationalpark
Also geht es wieder runter.
Nach ein paar Kehren finde ich Hanjo rauchend am Straßenrand inmitten dieser beeindruckenden Mondlanschaft.

Die abgestorbenen Büsche lassen das ganze sehr gespenstisch aussehen.


Die quellenden Wolken um uns herrum mahnen zur Abfahrt. Noch 30km bis zu einem Wintersportort, in dem es auch Hotels geben soll.
Na, wer sieht den Golf II?
Der Himmel wird immer grauer und auch das erste Donnergrollen ist zu vernehmen. Wir biegen jetzt aber ab in Richtung Norden durch dieses grüne Tal und weichen der ersten Gewitterwolke aus.


Wir erreichen die asphaltierte Hauptstraße und ich erhöhe erst mal wieder den Luftdruck. Viel ablassen konnte man auf der Strecke eh nicht, da man sich sonst bei den großen Steinen auf der Strecke schnell mal die Felge kaputt hauen kann.

Die Bergstrecken heute haben deutliche Spuren an den Reifen hinterlassen. Aber keine Risse am Reifen. Ich bin zufrieden.



























Auch der Hinterreifen zeigt Kampfspuren...




Auf dem Weg zum Skigebiet liegt ein Hotel direkt an der Straße. Sieht gut aus, wir fragen nach dem Preis.

Der ist sehr günstig und es ist auch egal, ob wir 2 Einzelzimmer oder ein Doppelzimmer nehmen. Also hat endlich mal wieder jeder sein eigenes Reich.
Der Übeltäter
Wir beziehen also unsere Zimmer und machen uns fertig fürs Abendessen. Als ich die Gepäckrolle öffne strömt mir ein seltsamer Geruch entgegen. Ich hatte eine Dose Blaubeer-Cyder (geiles Zeug!) in die Rolle anstatt in die Seitentaschen gesteckt. Obwohl zwischen Handtuch und T-Shirts gut geschützt, ist sie bei dem Dauergerüttel wohl explodiert. Die Gepäckrolle ist trocken, die 500ml wurden komplett von meinen Klamotten aufgesogen.

Ok, die feuchten Shirts werden ausgewaschen und mit dem Notfallfön trocken geblasen. Den hatte ich mit, um evtl. nasse Stiefel zu trocknen. Fön in den Kragen stecken und das Kleidungsstück bläst sich auf. Klappt prima. Nach ein paar Stunden ist alles trocken und das Zimmer riecht, naja, besonders. Gut, dass es hier oben keine Wespen gibt.









Notfallfön im Einsatz
Da oben waren wir vorhin noch...
Vorm Essen geht es noch eine Runde vors Haus, die "Wachhunde" dokumentieren und die Aussicht genießen. Der Berg, den ich beinahe bis zum Gipfel befahren habe sieht von der Nordseite deutlich verschneiter aus.


Die Wachhunde fallen vor allem durch Ihre Bewegungslosigkeit auf. Trotdem bitte ich den Bernhardiner auf meine Mopped aufzupassen. Da die Karren von der Straße aus sichtbar sind, kommt auch die Kette zum Einsatz.
Das Restaurant ist gut besucht. Mal wieder Zeit für einen Gemüseteller Balkan Art.

Derweil verströme ich einen betörenden Blaubeergeruch. Für den Rest der Reise habe ich jetzt die Wahl zwischen Schweiß und diesem Geruch. Gut dass es keine Bierdose war, oder Milch...




Was für ein Tag, was für tolle Strecken. Knapp 200 anstrengende Kilometer liegen hinter uns. Rückblickend eine tolle Ecke um eine ganze Woche Urlaub zu machen und alles im näheren Umkreis zu erfahren.

Das Hotel (Hajdučke vrleti) ist empfehlenswert und eine gute Ausgangsbasis und liegt direkt am TET

Tag 10:
Tag 12: