Nachdem ich vorgestern noch eine schöne lange Tour durch das Bergische und das Sauerland gemacht habe, wollte ich zum Jahresbeginn wenigstens ein wenig für meine nächste Balkantour trainieren.
Also ging es über stark gesalzene und teilweise glatte Straßen zu einem Übungsgelände, wo man ein paar kleine Auffahrten und etwas Trial üben kann.
Das Eis auf der Riesenpfütze wollte aber die CRF noch nicht tragen. War aber ganz schön schwer wieder weg zu kommen, wenn das Vorderrad eingebrochen ist und das Hinterrad auf dem Eis steht. Weder Füße noch Reifen finden irgendwo Halt.
Letztes Jahr bin wegen des Regens nicht vom Sofa hoch gekommen. Aber dieses Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, mal auf dem Crossplatz die Beta Testflotte durch zu probieren. Nach meinem Endurotraining in Voßwinkel fühlte ich mich zumindest in der Lage irgendwie über die Strecke zu kommen.
Also geht es um 13 Uhr mit der CRF auf den Weg nach Radevormwald. Es hat die letzten Tage viel geregnet, aber bei dem trockenen Untergrund durch die letzten Sommer wird es bestimmt noch nicht zu schlammig sein. Ich ziehe einfach die alte beige Pharaojacke an, dann kann mir der Dreck nix. Wie man sich doch irren kann.
Erster Fehler, trotz Funktionsunterwäsche friere ich mir auf den Höhenzügen von Sauer und Bergischem Land den Hintern ab. Wird Zeit das Windschild an der CRF zu montieren. Die Transalp hatte ich wegen des vielen Laubs auf der Straße zu Hause gelassen. Und Crosshelm mit Brille ist bei feuchten, windigen 5°C auch kein Spaß. Es war ein regelrechter Segen, wenn ich verkehrsbedingt mal unter 60km/h fahren musste. Dann konnte man sogar mal wieder die Lippen bewegen.
Genug gejammert. Kurz vor 14h bin ich am Ziel und hole mir meine Fahrerkarte. Haftungausschluss und Datenschutz unterschreiben und einen kurzen Blick auf die Strecke werfen. Wow ist ist die verspurt und schlammig.
Da steht der Fuhrpark und wartet darauf eingesaut zu werden. Vom 125er Zweitakter bis zum 480er Viertakter ist alles dabei.
So sauber werden wir die wohl heute nicht mehr sehen.
Während sich bei anderen Veranstaltungen alles um die großen und PS-starken Moppeds versammelt, zählt hier wohl nur das Gewicht. Die Viertakter werden weitestgehend ignoriert und wenn ich mir die Strecke so anschaue kann ich das nachvollziehen.
Noch sind alle sauber
Dann werden die Motoren gestartet und die Zweitakter knattern weiße Wolken in die Luft. Nachdem alle Maschinen einigermaßen warm sind stürzen sich die wartenden auf die leichten Zweitakter. Die 350 RR steht noch rum, also gebe ich meine Fahrerkarte ab und fahre als einer der ersten mit einem sauberen Mopped auf die mir völlig unbekannte Piste.
Aus der Entfernung wirkt alles ganz harmlos...
Weit vor mir sehe ich jemanden fahren, also geht es wohl erst mal da runter. Die steile Kuppe macht mir inzwischen keine Angst mehr, auch wenn der Gleichgewichtssinn schon auf Alarm schaltet. Die anderen sind hier gesprungen. Ich will aber gar nicht wissen, wie sich das anfühlt aus dieser Höhe da unten im Matsch zu landen. Nach dem Abhang kommt die erste Kehre und dann eine lange breite Gerade bergauf. Die Kiste trudelt im Matsch aber mit ein bisschen Gas wird alles etwas stabiler.
Die Kurven sind immer so etwas wie Entspannung, da gibt es schon eine Spur und in den hohen Anliegern kommt man mal kurz aus dem Schlamm raus.
Nach der ersten Runde
Die Pfützen zwischen den Sprunghügeln im unteren Teil der Strecke sind wahre Tauchbecken. Das Vorderrad verschwindet fast vollständig in diesem Brei aus Wasser und Schlamm. Mit der Transalp währe spätestens hier Feierabend, auch die CRF möchte ich hier mitmeinem Anakee Wild nicht fahren. Aber die leichte Beta und die Vollcrossreifen ziehen stur ihre Bahn. Leider habe ich jegliche Technik vergessen. Ich fahre die Kurven im Stehen und halte den Lenker viel zu verkrampft. Aber immerhin komme ich überall durch. Vorm letzten Table bringen mich einige Spurrillen aus dem Tritt, ich muss mich mit dem Fuß abstützen und komme kurz vor der Steilauffahrt zum stehen. Da ich keine Umfahrung sehe, setze ich alles auf Reifen und Mopped und versuche mein Glück. Das Vorderrad schafft es bis zur oberen Kante, dann bleibt die Fuhre stehen. Leider finden meine Stiefel keinen Halt am Steilhang als ich absteige, aber ich kann mich an der Beta festhalten. Jemand eilt mir zur Hilfe und gemeinsam kriegen wir den Rest des Moppeds über die Kante. Ich bin total ausgepowered und breche die Testrunde ab um erst mal was zu trinken.
Die 350RR nach meiner ersten Testrunde
Also mache ich eine ausgedehnte Pause, schaue den anderen beim Fahren zu und warte darauf, dass die Strecke etwas abtrocknet.
Langsam bildet sich eine Spur, die etwas befahrbarer ist. Dafür sind die Schlammgruben im unteren Teil noch länger und tiefer geworden.
Manche Fahrer nutzen Streckenkenntnis oder ihr Können und fahren die Betas artgerecht während viele genauso vorsichtig wie ich unterwegs sind.
Und wenn man in den Schlammgruben das Gas so richtig stehen lässt, kann man sogar seine Klamotten komplett umfärben.
Ich treffe Peter, bei dem ich letztes Jahr das Endurotraining gemacht habe und frage noch mal etwas nach der richtigen Technik bei diesen Bedingungen. Das will ich jetzt ausprobieren. Also schnappe ich mir die 390RR. Diesmal denke ich auch daran, meine Kamera einzuschalten.
Leider steht die noch auf Zeitraffer (F*ck!) weil ich zuletzt 2 Stunden Sonnenuntergang an der Ostsee (siehe unten) aufgenommen habe.
Jetzt klappt es gleich etwas besser. Vor den Kurven setze ich mich hin und bringe so viel Gewicht wie möglich auf das Vorderrad. Auf den Geraden mehr Gas und Vorderrad entlasten. Jetzt bin ich so schnell, dass ich vor Kurven auch mal die Bremse einsetzen muss und an den Sprunghügeln abhebe. Man bekommt Vertrauen in sich und die Maschine. Ich mache ein paar Pausen und schaffe 2 komplette Runden. Trotzdem schmerzen die Unterarme vom verkrampften Festhalten. Knieschluss hab ich wieder die meiste Zeit vergessen.
Danach sind Mensch und Maschine am Dampfen.
Nach vielen interessanten Gesprächen haben sich die Unterarme wieder erholt. Die 125er ist immer noch nur mit Warteliste zu haben. Aber die X-Trainer ist frei. Also starten wir einen weiteren Versuch.
Ca. 15kg weniger, immer mehr Mut, langsam macht es Spaß. Jetzt muss ich sogar manchmal Schalten. Der Motor ist echt interessant. Nicht auf maximale Leistung sondern auf Drehmoment getrimmt und mit großer Schwungmasse. ein Zweitakter, der einen Viertakter imitiert. Das gefällt mir. Jetzt muss ich vor jeder Kurve bremsen. Als das Vorderrad die Seitenführung kurz verliert, ist es mir egal und wird mit nem Gasstoß gekontert. Mit mehr Fitness könnte mir das hier richtig Spaß machen. Als ich mich in einer tiefen Spurrille abstützen will bin dafür viel zu schnell, so schnell kann ich nicht laufen. Aber im tiefen Schlamm kann man wohl nicht Kippen, die Fuhre wird am Ende der Furche wieder stabil. Und nix davon auf dem Video.
Aber Spaß hat es gemacht. Nur meine Füße sind schwer, die Stiefel wiegen mit dem Schlamm ein gefühltes halbes Kilo mehr pro Seite.
Als ich den Händler frage, ob das Heck der X-Trainer auch Gepäck kann, sagt er mir, dass hätte noch niemand gefragt. Beim Endurowandern hat der Kolben locker über hundert Stunden Standzeit, das sind bei einer Balkanreise leider trotzdem nur knapp 14 Tage. Die CRF bleibt wohl noch eine Weile mein treuer Schlechtweg-Begleiter.
Wir quatschen noch lange, bis ich realisiere, dass schon fast alle weg sind. Ich hole schnell meinen Ausweis ab und gebe die Fahrerkarte ab.
Danke an alle, die dieses Event organisiert haben.
Dann geht es auf den Heimweg, der Himmel ist inzwischen aufgerissen und taucht alles in ein tolles Licht. Aber saukalt ist es immer noch.
Auf winzigen Straßen finde ich den Weg nach Hause.
Die CRF habe ich mit dem Schlamm an meinen Klamotten eingesaut und selbst am Ende der Rückfahrt ist er auf der Hose noch nicht eingetrocknet.
Schon seit Ewigkeiten will ich mal an einem Endurotraining teilnehmen. Aber erst nach einem Hinweis im CRF-Forum bin ich auf einen Anbieter in der Nähe gestoßen, der für einen brauchbaren Preis ein individuelles Training anbietet. Mein Arbeitskollege Jürgen war auch sofort interessiert und so ging es im September ab nach Vosswinkel. Die 40min Anreise hab ich mit der CRF gemacht.
Ungeplantes CRF-Treffen
Nachdem wir Jürgens Beta vom Anhänger geladen haben, kommt noch eine zweite CRF zum Training. Noch schnell Spiegel abgebaut, kurze Einweisung von Peter unserem Trainer und dann geht es auf das Gelände hinter der Moto-Cross-Strecke. Jeder soll kurz seine Erwartungen an das Training mitteilen, damit später darauf eingegangen werden kann.
Die Gruppe ist bunt gemischt. Von einer 125er Yamaha, 250er KLX und CRF über die 300er 2Takt Beta und einige SWMs waren einige Leichtgewichte am Start. Aber auch diverse BMWs von 650 bis 1200ccm auf Straßenreifen.
Erst mal machten wir alle die gleichen Grundübungen. Stehenfahren, Körperhaltung, leichte Auf und Abfahrten usw. Bei mir wird sofort moniert, dass ich nicht richtig stehe der Lenker ist einfach zu tief. Ziemlich schnell tun mir die Handgelenke weh, bis mir gesagt wird, das ich mich auf dem Lenker gar nicht aufstützen soll. Knieschluss am Tank und den Lenker nur führen. Sofort fährt es sich viel besser. Das hab ich jahrelang falsch gemacht...
Nach und nach konnte jeder nach Gefühl schneller werden. Zwischendurch habe ich dann mal mit Jürgen die Moppeds getauscht. Die 300er Zweitakt-Beta geht ab einer gewissen Drehzahl deutlich besser als die CRF und beim Beschleunigen nach der Kehre muss ich mir Mühe geben, das Vorderrad wieder auf den Boden zu bekommen. Auch im Hang ist es schwerer, das Hinterrad ohne Durchdrehen zu dosieren. Tolles Bike, interessante Erfahrung.
Mittags essen wir einen Happen im Vereinsheim und schauen uns von der Dachterasse an, wie die Crosser über die Hügel fliegen und Staub aufwirbeln.
Die Cross-Strecke
Macht auch mit 3mm noch was her: Anakee Wild
Auch bei Ross und Reiter hat der Staub seine Spuren hinterlassen. Die Strecke ist so trocken, dass ich auch mit dem abgefahrenen Anakee Wild keine Traktionsprobleme habe.
Weiter geht es in den Endurobereich. Hier sind einige Hindernisse verbaut und es gibt einen winzigen Rundkurs.
Über die Reifen kommen wir mit unseren Moppeds nicht. Selbst Peters 125er Beta bleibt da hängen.
Vorsichtig geht es über Betonhindernisse, Stapel von Baumstämmen und durch tiefe Spurrillen.
Bei der CRF macht sich die Bodenfreiheit bemerkbar. Manche Hindernisse gehen nur mit Schwung sonst arbeitet der Motorschutz hörbar.
Auf dem Foto sieht man nicht, wie tief und steil das ist..
Touchdown
Zum Trainingschluss dürfen wir noch eine Weile auf einen Teil der Cross-Strecke. Ich hole mir noch ein paar Tipps zur Korrektur der Fluglage und dann geht es auf die Sprunghügel. Die CRF fliegt. Und mit jeder Runde wird es erst sicherer und dann höher und weiter. Bald fahren wir die komplette Strecke, auch den Teil, wo ich mich morgens noch nicht hoch gewagt hätte. Selbst die 1200er GS Fahrer versuchen ihr Glück, meist mit Erfolg.
Selbst das korrigieren der Fluglage mit Gas und Bremse funktioniert wie erklärt.
Irgendwann siegt das Adrenalin über die Vernunft, ich denke noch: "Das war viel zu viel Gas" und die CRF steigt an einem steilen, langen Table viel zu hoch. Gefühlt bin ich ewig in der Luft. Ich schaffe es zwar auf beiden Rädern gleichzeitig zu landen, aber der Aufschlag ist hart. Der Lenker verdreht sich in der Klemmung bis zum Tank ich kann nur noch geradeaus fahren. Anhalten, Schrauben lösen, Lenker richten, festziehen und weiter. Diesmal aber wieder vorsichtiger.
Wahnsinn was diese kleine Karre alles kann. Obwohl mir alles weh tut muss Peter uns quasi von der Strecke runter jagen, wir finden kein Ende.
Am Ende sind alle happy, auch wenn einige BMWs etwas Plastik zerdeppert haben. Alle sind sich einig, das machen wir noch mal.
Ich schraube meine Spiegel an, helfe Jürgen die Beta auf den Anhänger zu werfen und fahre mit schmerzenden Muskeln in den Sonnenuntergang nach Hause.
Fazit:
Auch nach hunderten Kilometern Dreckfahren habe ich noch einiges dazu gelernt. Vor allem aber habe ich deutlich mehr selbstbewusstsein was ich und die CRF so alles schaffen können. Fehlt nur noch die Gelegenheit, das Gelernte regelmäßig zu vertiefen.
Außerdem brauche ich jemanden, der mitkommt um Fotos zu machen alle coolen Aktionen sind undokumentiert...