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Donnerstag, 29. Januar 2026

Transbalkan 2022 Tag 2: TET Kroatien Teil2

 

Transbalkan 2022 Tag 2: TET Kroatien Teil2

Wir improvisieren in unserer Wohnung ein Frühstück aus Resten vom Grillteller und ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt. Dann geht es zur Tankstelle. 263km sind wir gestern gefahren. Heute soll es bis zum Ende des TET Krotien an der bosnischen Grenze gehen.

Über die Hauptstraße geht es bei grauem Himmel Richtung Osten. Über diese Straße fahren die Touristen von der Küste zum Nationalpark Plitvicer Seen. Dementsprechend voll ist es. Irgendwann geht es rechts auf kleine Nebenstraßen und der TET führt uns wieder in eine einsame Gegend. Bei der ersten Pause erzähle ich von einer Doku, die ich über diese Gegend gesehen habe und dass hier Bären und Wölfe leben. Kurze Zeit später passieren wir einen komplett ausgeweideten Schafskadaver.
Dann steht die nächste Entscheidung an. Folgen wir dem TET oder machen wir einen kurzen Abstecher zur Željava Air Base die ich mir schon 2016 mal angeschaut habe.

Je weiter wir uns auf dem Weg zur Airbase von der Küste entfernen, um so schlechter wird das Wetter. Als wir an der Douglas C-47 B Dakota 71212 YAF am Rand des Flugfeldes ankommen, ist das Flugzeug umlagert von einer serbischen Jugendgruppe. Aber schon kurze Zeit später haben wir die Maschine für uns alleine. Wahnsinn wie sich das hier in den letzten 6 Jahren verändert hat. Die C47 ist inzwischen fast komplett mit Aufklebern bedeckt und weitere Teile sind entfernt. Aber die Einschusslöcher sind noch zu sehen und auch die Minenwarnschilder auf dem Weg zu den Bunkereingängen sind noch da. 
 
Zum Abschluss doch noch fast alleine...
 
Da es anfängt leicht zu Regnen fahre ich ich diesmal in den Bunker. Im Scheinwerferlicht kann man wenigstens brauchbare Fotos machen. Wir erkunden mit unseren Handylampen ein wenig die Bunkeranlage in der einmal bis zu 80 MIGs untergebracht waren.

Danach nutzen wir natürlich die Gelegenheit auf dem Flugfeld über die Startbahn zu heizen und die CRFs mal bis zur Endgeschwindigkeit auszufahren. ;-)
 
Auf dem Weg zurück zum TET geht es in leichtem Nieselregen zurück in die Berge. Nachdem wir die Hauptstraßen um die Plitvicer Seen verlassen haben wird es wieder einsam. Es geht durch ein weites Tal und sanfte Grashügel. Nur den Weg dürfen wir hier nicht verlassen, hier war Kampfgebiet und überall gibt es Munitionsreste.

 
 
Im nächsten Tal dann keine Warnschilder mehr dafür Einsamkeit und Weite. Das letzte Auto ist schon eine Weile her, der Asphalt endet hier. Keine Zäune bis zum Horizont. Was man sieht kann man mit der CRF auch erreichen.
 
 Der TET führt uns in den Wald und es geht steil bergauf. Oben angekommen dann eine tolle Aussicht.
 Manche Bergspitzen verschwinden in den Wolken, aber wir bleiben vom Nebel verschont. Kaum habe ich erwähnt, dass wir noch gar nicht von Hunden angefallen wurden, führt der Track durch einen Bauernhof und 7 Hunde in allen Größen heben verschlafen ihre Köpfe...
Suchbild: wer findet alle 7 Hunde?

Und so geht es den ganzen Nachmittag weiter. Über die nächste Hügelkette, durch das nächste Tal immer nach Osten, immer einsam und wunderbar.

 

Und dann kommt der beschrankte Bahnübergang im Nirgendwo, den ich schon auf diversen Videos gesehen. Auch wenn auf dieser Seite noch ein brauchbarer Schotterweg ist, direkt nach den Gleisen wird der Weg zum steilen Singletrack mit einer fiesen 180° Kehre und tiefhängenden Ästen.
 
Erst oben auf dem Berg werden die Wege wieder breiter. Vor lauter Fahrfreude habe ich den Blick auf das Navi vernachlässigt, aber nach etwas such sind wir wieder auf dem Track.
 
Der letzte Hügel ist genommen. Der Berg vor uns in den Wolken ist schon Bosnien, da fahren wir morgen rüber.
 
Die Sonne steht schon tief, wir fahren entlang der Bahnlinie Richtung Knin. Beim letzten Fotostop sage ich, dass ich die Drohne steigen lassen möchte, Wind frischt auf, es wird nur ein wackeliges Handyvideo.


Ankunft in Knin nach. Unsere Ferienwohnung hat sogar eine Garage, die kleine Katze der Besitzer versucht dauenrd in in die Wohnung zu kommen und hat mit einer Mischung aus niedlichkeit und beharlichkeit auch kurz Erfolg. Im WLAN schnell das nächste Restaurant gesucht und auf geht es in die Stadt.

Mittelmäßiges Abendessen auf der Terasse an der Hauptstraße. Es sind auffällig viele Crosser unterwegs. Wahrscheinlich eine Rally in der Nähe.
 
Insgesammt sind wir heute 273km gefahren und waren knapp 10 Stunden unterwegs. 

 
 














Dienstag, 27. Januar 2026

Transbalkan 2022: Anreise

Transbalkan 2022: Anreise 

Anstatt die über 1000km am Stück zu fahren, wird die Anreise in 2 Etappen aufgeteilt. Erst geht es mit einer CRF bis Ingolstadt, dann zu zweit weiter nach Slowenien.

Die CRF wird schon am Vorabend verladen, damit es am nächsten Tag entspannt losgehen kann.

Bloß nichts vergessen, bei der Anhängeranreise bleibt ja gerne etwas von der Motorradkleidung zurück. Mit Helm, Stiefel und Sicherheitkleidung ist der Kofferraum auch schnell voll.

Der Wetterbericht sagt im Zielgebiet einen Temperatursturz von aktuell 40°C auf erträgliche 23 bis 28°C voraus. Trotzdem lasse ich das Windschild der CRF abgebaut. Das bedeutet zwar weniger Wetterschutz, dafür aber bessere Durchlüftung auf den anspruchsvollen TET Passagen.

Während NRW einer Wüstenregion gleicht, ist in Bayern ab Nürberg Monsunregen. Der letzte Kreisverkehr vorm Ziel ist teilweise geflutet und ich teste die maximale Wattiefe des Outlanders. 

In einer kurzen Regenpause wird die eine CRF ab und dann beide CRFs wieder aufgeladen. Nach einer kurzen Nacht mit schnurrenden Wärmflaschen auf meinem Schlafsack geht es dann auf die nächste Etappe.

Nach nervenden Staus auf der Strecke München Salzburg geht es ab Östereich flott voran und abends sind wir in Slowenien in Novo Mesto, wo wir unsere Moppeds abladen und Auto und Anhänger für 2 Wochen abstellen können.

Nach einem reichhaltigen Abendessen geht es noch in die schöne Altstadt mit open air Kino und Livekonzert.


 

Wer ein empfehlenswertes Hotel für die Anreise kurz vor der kroatischen Grenze sucht:

 

Auto und Anhänger konnten wir kostenlos auf einem Parkplatz hinter dem Hotel, abseits der Hauptstraße, sicher abstellen.

Tag1:Von Novo Mesto nach Otočac; Erster Schotter



Balkan TET 2022: Ein steiniger Weg

 Balkan TET 2022: Ein steiniger Weg

 


2022 sollte es wieder in den Balkan gehen. Das Überstundenkonto war gut gefüllt, ich war diesmal also nicht auf die Brückentage im Frühjahr angewiesen um 2 Wochen Urlaub nehmen zu können. Nachdem ich 2018 große Teile des TET wegen Schnee nicht befahren konnte, wollte ich diesmal in den Spätsommer bzw. Frühherbst anvisieren. 

Über eine Anfrage in meiner Twitter-Mopped-Bubble war ein Mitfahrer schnell gefunden und die Planung konnte losgehen.

Ziel war es, den Trans Euro Trail in Krotien, Bosnien & Herzegowina und Montenergro komplett zu befahren und auch noch etwas von Albanien mit zu nehmen.

Bis Slowenien sollte es mit dem Anhänger gehen, und dann mit dem Mopped auf Nebenstraßen zur Grenze nach Kroatien. Ab da dann nur noch auf dem TET.

Der TET Kroatien war Ideal zum Einsteigen, erst 1A Schotterwege mit langsam anziehenden Schwierigkeitsgrad. 


 

Auch die ersten Passagen in Bosnien waren noch einfach, aber einige Passagen hatten es in sich. Mit der Transalp wäre ich nicht alles gefahren bzw. nicht so entspannt.


 

Montenegro ist dann in jeder Hinsicht der Hammer. Hochgebirge, traumhafte Aussichten,  sehr anspruchsvolle Abschnitte, die je nach Wetterlage auch mal unpassierbar werden können.


 

In Albanien waren wir nur kurz. Die damals frisch geteerte Theth Nordrampe ist zwar landschaftlich immer noch umwerfend, aber an einem Sonntag zwischen Q7 und S-Klasse mit hochglanzpolierten Alufelgen die  Hölle. Vor allem wenn dann im Ort der Asphalt endet und die Fahrer einfach stehen bleiben um den Lack nicht zu gefährden.

Insgesammt  werden es 2900km mit sehr hohem Schlechtweganteil (GS Fahrer würden "Offroad" sagen)

Wieder ein unvergessliches Erlebnis, auch Dank meines unkomplizierten Mitfahrers, der klaglos jede noch so fragwürdige Routenwahl mitgemacht hat und um den ich mir fahrtechnisch nie Sorgen machen musste. 

 

Waldorf und Stadler in Albanien

Unsere CRFs haben sich hervorragend geschlagen, könnte mir kaum ein besseres Fahrzeug für diese Gegend vorstellen. Wir haben viele TET Fahrer getroffen, die nach Tagen der Schinderei neidisch auf unsere kleinen tapferen Motorräder geschaut haben...


 Ich werde hier in den nächsten Monaten die Reise-Berichte über die einzelnen Abschnitte verlinken und wüsche viel Spaß bei lesen...

Die Anreise: Durch Regen und Stau nach Slowenien

Tag1:Von Novo Mesto nach Otočac; Erster Schotter

Tag2: Von Otocac nach Knin inkl. Željava Air Base 


Donnerstag, 25. April 2024

Vogesenrunde April 2024

 Vogesenrunde April 2024

 


Ich war gerade ein paar Tage im Elsass. Und auch wenn die Wetterlage eher ungemütlich war, habe ich es  mir nicht nehmen lassen, nach Feierabend und am Wochenende einige Ausflüge mit dem Motorrad zu unternehmen. 

Die erste Runde geht zum Mont Sainte-Odile, wo man vom Kloster aus einen tollen Blick über das Rheintal, Straßburg, den Schwarzwald usw. hat. Nach 17 Uhr meldet der Regenradar ein Zeitfenster in dem ich trocken fahren kann. Also geht es über kleinste kurvige Straßen hoch auf den Berg. Wer den Vogesenasphalt kennt, weiß, dass der bei Nässe seine Tücken hat. Oft ist der raue Belag in der Deckschicht abgetragen und die blanken Bitumenschichten bieten dann eine ähnliche Seitenführung wie Glatteis. Zusätzlich liegt darauf noch jede Menge Dreck von den sich öffnenden Knospen der Bäume und Schlamm von Forstfahrzeugen. Die Temperaturen zwischen 1°C und 3°C machen es auch nicht besser.

Trotzdem komme ich flott voran und nach kurzer Zeit habe ich mich mit der CRF300 Rally an den wechselnden Untergrund angpasst. Auf den winzigen Straßen hier oben ist bei dieser Kälte niemand unterwegs. In den 2 Stunden sehe ich nur 2 Autos und 3 komplett vermummte Radfahrer die sich bei bis zu 12% Steigung die Serpentinen herunterstürzen.


Nachdem ich von Klingenthal zum Kloster Mont Sainte-Odile gefahren bin, habe ich eigenlich keinen Plan, wie es weiter gehen soll. Also biege ich an jeder Abzweigung immer in die Straße ein, die bergauf führt.

Nach wenigen Höhenmetern blitzen erste kleine Schneeflächen aus dem Wald. Und schon kurze Zeit später ist alles weiß, nur die Farbahn ist noch frei. Die Heizgriffe sind inzwischen auf 50% hochgestellt. Wieso genau hab ich nur meine Sommerhandschuhe eingepackt?

Champ du Feu (1099m)

Die Skilifte sind schon in der Sommerpause aber vor ein paar Stunden hat es hier noch mal kräftig geschneit. Die tiefstehende Sonne schafft es jetzt auch nicht mehr so etwas wie Wärme zu erzeugen, aber teilweise gibt es im Wald fazinierende Lichtspiele wenn der Nebel sich mit den Sonnenstrahlen kreuzt.

Die meisten Waldwege sind mit Verbotsschildern bestückt, aber es gibt auch immer wieder legale Abzweige die zum Beispiel zu einem Lokal oder Wanderparkplatz führen.

Die schwache Seitenführung im Schlamm des K60 Scout sorgt dafür, dass mir trotz der Außentemperaturen schnell wieder warm wird. Nachdem ich einige kleinere Schneefelder durchquert habe drehe ich lieber wieder um. Ich habe keine Lust mich kurz vor Sonnenuntergang hier festzufahren, während der Regenradar bereits die nächste Unwetterfront anzeigt.

Am Kloster angekommen noch ein letztes Foto mit Sonne. Danach geht es über eine tolle Einbahnstraße, die man nur über den Parkplatz des Klosters erreichen kann, zurück ins Tal.

Die erste Kehre liegt direkt unter der Klosterterrasse. Es gibt so viel zu schauen, dass man schnell von der Streckenführung abgelenkt wird.

Entlang des Steilhanges bietet sich immer wieder ein Blick über die komplette Rhein-Ebene bis zum Schwarzwald. Kurz vor den ersten Regentropfen bin ich wieder im Hotel.

Am nächsten Abend ist es noch einmal etwas kälter. Also Suche ich mir ein Ziel, das weniger hoch liegt. Das Schiffshebewerk ganz im Nordosten der Vogesen kenne ich noch nicht. Als ich dort eintreffe ist es bereits geschlossen, aber es ist schon beeindruckend, wie hier der Kanal in den Fels gebaut wurde um diese Anlage zu ermöglichen. Außerdem ist der Weg das Ziel. Auf dem Hinweg habe ich eine Bergzinne mit einem weithin sichtbaren Turm gesehen. Da will ich noch hin.

Gefunden. Die Straße dreht sich spiralförmig um den Berg, bis man oben steht.

 

Vom Parkplatz der Dagsburg hat man einen tollen Blick bis weit in die Berge der Pfalz.

Restaurant und Burg haben leider schon geschlossen, aber 20 Minuten vor Sonnenuntergang sollte ich mir eh nicht zu viel Zeit lassen. 

Die tiefstehende Sonne zaubert zusammen mit den dicken Wolken tolle Lichteffekte und ich mache noch ein paar Bilder und Videos.


Und dann hat sich der Mond auch noch direkt über dem Turm in Stellung gebracht. Schade das ich die gute Kamera nicht dabei habe. Aber das Handy kann ja auch was...



Schweren Herzenz breche ich auf und fahre auf, inzwischen meist trockenen Straßen, zum Hotel. 

 

 

Am Freitag findet sich nach Feierabend keine Wolkenlücke und auch der Wetterbericht für das Wochende ist bescheiden. Während für die Rheinebene bei 75% Regenwahrscheinlichkeit immerhin 3 Sonnenstunden auf ein typisches Aprilwetter schließen lassen, ist in den Bergen Schneeegestöber mit einigen Wolkenlücken bei um die 0°C angesagt.

Der Plan: Alle Kleidung anziehen die ich dabei habe und schauen wie weit man kommt. Sobald Schnee auf der Fahrbahn liegt oder, noch schlimmer, Glatteis, geht es ins Tal. Museum oder so was.

Zwei Schichten Thermounterwäsche machen mich zum Michelinmänchen, der Weg zum Aufzug ist sehr warm.

Zuhause hatte ich mir auf kurviger einen Track entlang des Vogesenhauptkamms bis zum Grand Ballon zusammengebaut. Also geht es diesmal etwas weiter östlich hoch zum Champ du Feu. Bereits ab 600m liegt der erste Schnee am Straßenrand, ab 1000m ist an den schattigen Stellen etwas Schneematsch auf der Fahrbahn. Mit erreichen der freien Hochebene weht ein eiskalter Wind einem die Nebelbänke um den Helm. Das Licht wechselt innerhalb kürzester Zeit von dunkelgrau auf leuchtend weiß. Irgendwie cool.

Um warm zu bleiben ziehe ich zusätzlich die Regenjacke über.


Aber es ist nicht Glatt. Da heute deutlich mehr Autos unterwegs sind, habe ich bei Schneeematsch immer die Möglichkeit in der Fahrspur der Autoreifen zu bleiben. So schaffe ich es bequem über den Pass, auch wenn ich einmal von einem Skilangläufer rechts überholt werde. Dann geht es runter ins Tal zum Aufwärmen. Der Track bietet ein paar tolle schmale Serpentinenstrecken. Bei besserem Wetter könnte man hier ordentliche Schräglagen fahren. Aber auch so habe ich meinen Spaß.

Unter 500m Höhe ist es deutlich Wärmer und manchmal zeigt sich sogar die Sonne. Und Kurven ohne Ende.



Beim Aufstieg über den den Col des Bagenelles zum Col du Bonhomme lande ich wieder im Schnee. Aber immerhin mit etwas Aussicht. Habe jetzt auch noch die Regenhose angezogen um weniger zu frieren.

Vom Col du Bonhomme geht es nach Süden zum Skigebiet am Lac Blanc. Ab 1000m dann fast geschlossene Schneedecke. Ich will gerade umdrehen, als der frisch geräumte Bereich des Skigebietes anfängt.

Über die D61 geht es weiter nach Süden und noch ein wenig höher. Bei 1150m Höhe sieht man nach oben manchmal blauen Himmel. Trotzdem schneit es durchgehend leicht und der Wind bleibt eisig. Manchmal blitzt kurz die Sonne auf und sorgt dafür, dass zumindest die Mitte der Straße schneefrei bleibt.

Aber bis ich die Kamera ausgepackt habe ist die Sonne wieder weg, und die tolle Aussicht verschwindet in den Wolken. Während ich hier schreibe sehe ich, dass die Strecke seit meiner Tour bereits mehrere Tage wegen Schnee gesperrt ist.


Am Col dela Schlucht herscht Betrieb. Familien fahren mit ihren Kindern Schlitten und einige Skifahrer sind auf der Piste.

Col de la Schlucht

Die Straße schlängelt sich entlang der Skipiste nach oben. Auf Höhe des Le Hohneck wird die schneefreie Straße immer schmaler und der Schnee am Wegesrand immer höher.

 

Auf Höhe der Ferme Auberge Breizhousen ist auf der Fahrbahn ein kopfhohe Schneewand. Ich fahre links auf den Parkplatz und von hier führt wieder ein geräumter Weg auf die Straße. Inzwischen wird es immer heller, das animiert zum weiterfahren.



Hier steht mal ein Auto, der Fahrer macht sich gerade zum Joggen fertig und spricht mich an. Der Weg zum Le Markstein ist leicht verschneit, sollte aber mit meinem Mopped machbar sein. Danke für die Warnung, ich versuche mein Glück. Auch weil die Sonne jetzt immer häufiger raus kommt und den Asphalt zum dampfen bringt.

Hinter der nächsten Kurve wird es dann noch besser, endlich ein brauchbarer Blick ins Tal. Aber es hört einfach nicht auf zu schneien.


Mit jeder Minute wird es sonniger und auch die Fahrbahn trocknet etwas ab. Und dann leuchtet im Hintergrund das erste mal das Ziel des heutigen Tracks: Der Grand Ballon.

Hier kurz vorm Le Markstein machen sich gerade ein paar Kiter fertig um sich von ihren Drachen über die sonnigen Wiesen ziehen zu lassen. Bestimmt toll bei dem Wetter.


Hinter dem Skigebiet Le Markstein geht es eigentlich in wenigen Kilometern die letzten 200 Höhenmeter zum höchsten Gipfel der Vogesen. Aber hier ist der Pass endgültig gesperrt. 

Also drehe ich um. Auch die Straßen die ich gekommen bin werden gerade abgeriegelt, ich schlüpfe gerade noch durch und fahre auf einer anderen Route etwas östlich zurück.

Etwas Talwärts auf der D27 Richtung Munster geht ein Schotterweg zur Talstation eines Skilifts. Schon fast 3 Uhr, ich bin seit 4,5 Stunden unterwegs. Zeit für einen kleinen Snack in der Sonne. Wird ganz schön warm, ich ziehe die Regenjacke wieder aus.

Der Boden ist so durchgeweicht, dass ich beim Aufsteigen ausrutsche und beinahe das Mopped umreiße. Mit erhöhten Puls fahre ich zurück zur Straße. Kurz vor Munster erwischt mich ein kurzer Regenschauer, also Regenjacke wieder an.

Dann geht es auf einer kleinen Straße durch enge Serpentinen wieder rauf. Bei bester Fernsicht leuchten die schneebedeckten Gipfel der bisherigen Tour im Hintergrund.


 Die Gegend hier um den Lingenkopf waren im ersten Weltkrieg Schauplatz grausamer Grabenkämpfe. Über 17000 junge Männer wurden hier verheizt.


Der schweizer Ferrari-Club der mir hier oben entgegen kommt wirk fehl am Platz. Die Autos fahren sehr langsam über den aufgplatzten Asphalt der engenStraßen, dafür sehr laut. Mit dem Mopped komme ich an den viel zu breiten Autos vorbei, der Dacia Duster, der die Boliden vor sich herschiebt hat aber keine Chance zu überholen.

Ich bin mit meiner Fahrzeugwahl zufrieden. Die CRF300Rally ist mit ihren 27PS ausreichen motorisiert um mit ihr flott die Pässe hoch zu zirkeln und leicht genug um sich im Schneematsch immer sicher zu fühlen. Mit der Transalp wäre ich deutlich unentspannter unterwegs.

Entlang des Lac Blanc geht es zum Col du Bonhomme. Hier komme ich in einen starken Schneeschauer. Innerhalb kürzester Zeit sind Helm und Mopped weiß, ich muss das Visier mit der Hand frei halten. Auch die Straße ist sofort weiß. Gut das ich ein SUV vor mir habe, das mir mit seinen breiten Sommerreifen eine frische Fahrspur freilegt.

Dann schickt mich der Track in einen schmalen Waldweg. Laut Höhenlinien geht es nur bergab, der Schneeschauer ist durch, also kann man das ja mal riskieren. Die Strecke ist ein Traum, Schnee fällt von den Ästen, Sonne, Nebelschwaden im Wald...



Entgegen des ersten Eindrucks ist der Weg asphaltiert. An einer schönen Stelle biege in einen Waldweg ein. Pinkelpause und etwas trinken.

Dann wieder zurück auf die Straße. Hier im Schatten liegt selbst auf 500m Höhe noch Schnee auf der Fahrbahn. 

Auf den nächsten 70 Kilometern bis zum Hotel regnet und schneit es dann immer häufiger. Nur manchmal reißen die Wolken etwas auf und geben den Blick auf die tolle Gegend frei, oft untermalt mit einem bedrohlichen Donnergrollen.

Das war meine erste längere Tour mit der Rally und es hat echt super gepasst. Nur das Schafsfell hätte ich gerne auf der Sitzbank gehabt, das liegt im Hotel. War auch das erste mal, dass ich durchgehend Musik mit dem Sena gehört habe. Die Playlist ist noch nicht perfekt, aber wenn plötzlich die Wolken aufreißen, du einen trauhaften Blick auf die Schneebedeckten Berge hast und gleichzeitig der Chor bei "conquest of paradise" loslegt ist das schon ein filmreifer Augenblick.



Kurz nach 18h stehe ich dann kalt aber nicht durchgefrohren in der Tiefgarage vom Hotel. Erst mal ne heiße Dusche und ein Tütencapuchino, dann Flammkuchen.

Tolle 295km in 7,5 Stunden liegen hinter mir mit einigen tollen Momenten und vielen Zweifeln ob ich da überhaupt durch komme. Aber das tapfere kleine Motorrad hat einen tollen Job gemacht.

Das Elsass ist ja eigentlich für seine milden Winter in der Rheinebene bekannt, aber am Sonntag schneit es bis unten. Also besichtige ich die die Festung Kaiser Wilhelm in Mutzig. Die meiste Zeit ist man tief unter der Erde und kriegt vom Schietwetter nichts mit. Einfach beeindruckend, undbedingt mal besuchen.

Zurück im Hotel zeigt sich am Nachmittag kurz die Sonne. Da sollte doch wenigstens ein bischen Dreckwege in der Umgebung drin sein.

Ich hatte ganz vergessen wie klebrig der Matsch zwischen den fruchtbaren Feldern hier so ist. Bei der Transalp musste ich, als ich hier 99 gewohnt habe damals den vorderen Kotflügel höher bauen damit das Vorderrad nicht blockiert. Das Problem habe ich mit der CRF nicht, aber mit dem K60 Scout komme ich kaum die kleine Steigung hoch. Von nordosten kommt schon wieder die nächste Gewitterzelle.

Also versuche ich mein Glück noch mal in den Bergen. Da ist der Matsch weniger klebrig.

Nachdem sich nur noch Regen, Schnee und Graupel abwechseln gebe ich auf und fahre fröstelnd zum Hotel. Im Helm singt Axel Rose "it's hard to hold a candle in the cold november rain"